Gesinnliche  Gedanken-
 

Gesinnliche Gedanken

ZUR BESINNUNG
Gesinnung ist laut Wörterbuch eine Art des Denkens oder eine Haltung.
Das Ende eines Jahres öffnet den Zugang zur Einkehr, macht Platz für neue Einflüsse und lässt uns die Vergangenheit reflektieren.
Gleich danach kommen Vorsätze für die Zukunft und mit ihnen das neue Jahr.
Ich hätte da einen Gedanken für die Zukunft.

Es wird wieder diskutiert, ob Schulnoten für die Kleinsten sinnvoll sind.
Gleichzeitig wandern in Whatsapp-Gruppen skurrile Witze und Slapsticks.
Unter anderem ein Aufsatz eines Volksschülers der 4. Klasse über das Gehirn.
Es kommen Worte vor wie „gepraucht“, „embfindlich“ oder „Leude“ und mit Rotstift die Bemerkung der/des Korrigierenden: „gut gemacht!“ Sie dürfen Schmunzeln.

Mir geht es um die Möglichkeit einer Reflexion, die unser emotionales Verhalten zu einer Beurteilung verhindert.
Unser Verhalten, groß oder klein, lechzt nach Bestätigung, immer in der Symbiose mit seinem Ego, seinem Selbst – und dieses Bedürfnis wird immer stärker.
Je mehr das Selbst mit einbezogen wird, desto verwundbarer ist die Seele bei einer schlechten Bewertung und im Falle von Schulnoten trifft das Ego nicht selten den ganzen Familienclan mit dem Anhängsel eines Rechtanwalts.


Wir kommunizieren emotional

Eine Bewertung wandert vom Großhirn direkt zum limbischen, emotionalen System der Be- oder Verurteilung.
Man wandelt dabei entweder in eine Verteidigung oder Zufriedenheit.
Ich meine, damit fehlt der so wichtige Zugang zu einer Reflexion.
Ich kann in der Sache etwas falsch gemacht haben, bin dadurch aber nicht schlecht oder böse.
Dieser Zusammenhang wird uns jedoch täglich vor Augen geführt.
Ob schlechte Noten oder Fehlverhalten im Straßenverkehr, unerfüllte Erwartungen oder Ärger – wir kommunizieren mit Emotion – diskriminierender Emotion.
Selbst der Streit ist ein Sinnbild und bei genauer Betrachtung haben immer beide Recht, nur eben mit verschiedenen Ansichten, aber letztendlich muss ein Verlierer her.
Gutmenschen versuchen sich immer richtig zu verhalten, bei falschen Handlungen oder Fehlern wackelt diese Charakterisierung.
Daraus entsteht ein mangelndes Eingestehen von Fehlern oder Schwäche.
Man kann sicher darüber diskutieren, ob Schulnoten oder andere Bewertungen den Kern einer Reflexion treffen – diesen Kern zu treffen wäre die Aufgabe von Pädagogen.
Solange wir aber gute Noten belohnen und schlechte bestrafen, lernt man um belohnt oder nicht bestraft zu werden.
Das ist sinnlos.

Ich meine, es gibt ein „Richtig“ und ein „Falsch“ und es gibt ein „Gut“ und ein „Böse“ und sie haben nichts Gemeinsames.
Ein vorsichtiger Autofahrer ist kein T... einer mit anderer Meinung kein W... und einer, der nicht alles begreift kein I...

Könnte eine Adventstimmung die Einkehr dieser Gedanken zulassen, misslungene Beispiele durch Reflexion Besserung bewirken und der Vorsatz im kommenden Jahr die Menschen nicht in Schubladen der Vorurteile zu stecken, dann könnte jemand, der falsch handelt, sich vielleicht auch wie ein Gutmensch fühlen und freuen.


Schönen Advent und fröhliche Weihnachten wünschen

Ihr Erich Zöchling

und das Team der Apotheke Traisenpark