HANF Super-drug oder Super-food

GUT & BÖSE
Hanf ist wohl jene Pflanze, bei der der lateinische Name fast noch
bekannter ist als seine deutsche Bezeichnung: Cannabis.
Und die Schublade,
die dabei geöffnet wird, trägt die Bezeichnung „Suchtmittel“.
Dabei enthält der Hanf 85 verschiedene Cannabinoide und weitere 145 wertvolle Inhaltsstoffe.
Die bedeutendsten sind THC und CBD – Tetrahydrocannabinol oder auch Dronabinol und Cannabidiol.


Cannabidiol CBD

Die Wirkungsweisen sind noch immer nicht lückenlos durchleuchtet. Die Erforschung der Cannabinoide brachte allerdings zutage, dass unser Körper für die Cannabinoide ein eigenes System hat – das Endocannabinoidsystem.
Es besteht im Wesentlichen aus zwei Rezeptoren, die auf Cannabinoide reagieren, die CB1- und CB2-Rezeptoren.

CB1-Rezeptoren sind überall im menschlichen Gewebe vorhanden und bewirken daher eine Vielzahl von Reaktionen – im zentralen (Sucht) und peripheren Nervensystem (chronische Schmerzen), im Magen-, Darm- und Leber-Trakt, im Reproduktionstrakt (Eierstock, Uterus, Vagina, Prostata, Testikel, Penis), in den Muskeln, im Fettgewebe sowie in den Blutgefäßen.

CB2-Rezeptoren sind ausschließlich im Immunsystem vorhanden, in den Lymphozyten und Makrophagen, den Körperpoli- zisten.
Sie sind an der Entstehung von Zytokinen, den Entzündungsmediatoren und Immunmodulatoren, beteiligt.
Werden sie durch Stoffe wie eben durch Cannabinoide aktiviert oder gebremst, erklärt es deren Wirkung.
Die körpereigenen Glücksbotenstoffe und die zugeführten Cannabinoide wirken auf beide Rezeptoren.

Übrigens wurde an der technischen Hochschule in Zürich gezeigt, dass in Echinacea enthaltene Stoffe an CB2-Rezeptoren binden.
Damit erklärt sich die immunmodulierende Wirkung dieser Pflanze.


Berauschend

THC ist psychoaktiv, bindet im Gehirn an die CB1-Rezeptoren mit Auswirkung auf Glücksgefühl, Entspannung und Schmerzlinderung, auf die Motorik und das Kurzzeitgedächtnis – bekannte Nebenwir- kungen beim Missbrauch.
THC blockiert Rezeptoren, die am Brechreiz beteiligt sind und findet so einen Einsatz bei extremer Übelkeit durch Chemotherapien.

Ohne Rausch

CBD besitzt eine unbedeutende Psychoaktivität, bedient aber ebenso beide Rezeptoren, jedoch ohne Rauschgefühl. THC und CBD wirken stark antioxidativ und entwickeln dadurch eine neuroprotektive (= nervenschützende) Wirkung zum Beispiel bei Polyneuropathien, also wenn viele Nerven krank sind.
Ob Cannabis Krebs heilt ist nicht erwiesen, aber THC und CDB wirken apoptotisch (zelltötend) und nekrotisch (absterbend) auf Tumorzellen und verhindern den Aufbau von Blutgefäßen in metastasierendem Gewebe.
Sie unterbinden damit die Blutversorgung von Tumoren.

Das Synthetikum Dronabinol
THC wird zum Teil synthetisch produziert und mit dem Namen Dronabinol in Österreich als Schmerztherapeutikum eingesetzt. THC bzw. Dronabinol unterliegen dem Suchtmittelgesetz und damit einer genauen Kontrolle.
Es gibt noch nicht allzuviele Ärzte, die mit der Anwendung von Dronabinol vertraut sind.

Mit entsprechender Begründung übernehmen die Krankenkassen die Therapie mit Dronabinol.
Immerhin kostet 1 Gramm beinahe 400,- Euro.
Für einen Monatsbedarf von 250 mg in Öltropfenform fallen dann schon mal 230,- Euro an.
Es gibt auch Kapseln mit 1 mg (sehr niedrig dosiert) mit 28 Stück zu 376,40 Euro – zu verwenden gegen Übelkeit bei der Chemotherapie.

In Deutschland ist vor wenigen Wochen die Verschreibung von THC prinzipiell freigegeben worden, in Österreich hat die Diskussion erst begonnen.
Der Einsatz von THC in der Therapie ist vielfältig, und ebenso oft „off-label-used“, was soviel bedeutet, wie „außerhalb von gut erforschten Daten“.
Jeder Arzt übernimmt bei Verordnungen die volle Verantwortung.


Hanf als Lebensmittel

CBD – Cannabidiol hingegen wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
In einigen Hanfanbauzentren in Österreich wird Hanf als Superfood gepriesen.
Hanfsamen, Hanfsamenöl, Hanfprotein, Teekräuter und extrahierte cannabidiolreiche Hanfkonzentrate in alkoholischen (Elexier) und öligen (Bio Öl) Auszügen.
Die Einsatzgebiete sind ebenso vielfältig, da CBD alle CB1- und CB2-Rezeptoren beeinflusst, mit Ausnahme jener im Gehirn.
Zudem ist Hanf reich an Vitaminen und weist ein ideales Verhältnis von Omega-3 und -6-Fettsäuren auf.

Da keine Nebenwirkungen bekannt sind, empfehlen die Hersteller den Einsatz bei

• Abbau von Stress

• vor Prüfungen, bei Lampenfieber, Flugangst

• Vorbeugung und Abhilfe bei Burnout und schlechter Schlafqualität

• gegen innere Unruhe
• zur Verringerung von Ermüdungserscheinungen

• für einen gut funktionierenden Energiestoffwechsel

• zur Unterstützung des Immunsystems

aber auch bei
• Epilepsie und Angststörungen
• Entzündungen und entzündungsbedingten Schmerzen
• Übelkeit und Erbrechen

• Migräne und Nervenschmerzen

• Nikotinabhängigkeit

• zur Appetithemmung oder als Antioxidans.

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Hanfprotein besteht aus hochwertigem Eiweiß und enthält 23 verschiedenen Aminosäuren, Eisen, Zink und Magnesium.
Es ist eine optimale Alternative zu tierischem Eiweiß und eine vollwertige Alternative zu Soja-, Milch- oder Reisprotein.
Im Rahmen von Diäten hilft es den erhöhten Eiweißbedarf zu decken, ebenso von Sportlern, Senioren und Vegetariern.