Ausgebrannt? – Lady Serotonin und Mister Melatonin


5. August 2021, Mag. Zöchling Erich


Ein Arztbesuch mit dem Wunsch nach mehr Ausgeglichenheit endet mit einer Verordnung von Pschopharmaka. Das ist in Ordnung, aber manchmal ist der Hintergrund im Tryptophanstoffwechsel zu suchen, denn das ist die Vorstufe zum Glückshormon Serotonin und daraus macht unser Körper wiederum Melatonin, das Schlafhormon.
Es ist ein Kreislauf und endet als Teufelskreis.-Bild: iStock
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Es ist ein Kreislauf und endet als Teufelskreis.

Wir beginnen, wie so oft, beim Darm.

Stress bedeutet einfach ausgedrückt: wenn man JA sagen muss, obwohl man NEIN sagen möchte. Das ist ungebetenes Handyklingeln ebenso, wie fordernde Vorgesetzte.

Im Stoffwechsel passiert immer dasselbe: Cortisol wird frei und erregt den Körper. Treten wieder Ruhephasen ein, sammelt sich dieses Stresshormon wieder für den nächsten Anstrum. Bei Dauerbelastung laufen die Speicher leer. Nun ist Cortisol auch ein "Reparaturhormon", es hemmt Entzündungsvorgänge. Darunter leidet der Darm besonders.
Im Darm wird aus der proteinogenen Aminosäure Tryptophan - es ist Bestandteil der Eiweißbildung - mit Hilfe von Vitamin B6 5-HT-Tryptophan und mit Hilfe der Folsäure Serotonin, das Glückshormon, welches Voraussetzung für Melatonin ist.

Im Falle von Entzündungen im Darm wird Tryptophan für einen anderen Stoffwechselweg (Kynureine) verbraucht. Der Kreis schließt sich: weniger Serotonin bedeutet weniger Stresstoleranz, mehr Stress leert weiterhin die Corisolspeicher...

Entzündungen im Darm machen diesen durchlässiger. Sogenannte Tight Junction öffnen sich, und es können zwischen den Darmzellen Stoffe durch, die den Stoffwechsel und vor allem die Leber belasten.
Über mich-Bild: Josef Bollwein
Bild: Josef Bollwein

Über mich

MMag. Erich Zöchling
Mein langes Studium hat dann doch einen Pharmazeuten, Mathematiker, ein wenig Physiker und Chemiker aus mir gemacht. Daher sind biochemische Vorgänge in unserem Körper mein Hauptinteresse.