Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit-

Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit

Zugegeben, Müdigkeit ist ein Indiz für hunderte Störfällen in unserem Körper. Die Leber allerdings ist die chemische Fabrik und als größte Drüse das wichtigste Stoffwechselorgan. Pathologische Vorkommnisse in der Leber haben daher vor allem im intermediären Stoffwechsel differente Konsequenzen, die wenig an Empfindungen auslösen, um uns zu warnen.

Rund 1,5 Liter Blut fließt pro Minute durch die zahlreichen Gänge der Leber, davon sind nur 20% arteriell, die restlichen 80% sind venös durch die Pfortader, gesammelt von Magen, Dünndarm, Dickdarm, oberer Mastdarm, Bauchspeicheldrüse und Milz. Plausibel, dass einige der Hauptaufgaben der Leber die Entgiftung, Aktivierung, Inaktivierung und Ausscheidung körpereigener und körperfremder Substanzen darstellt. Allein der Bildung und Ausscheidung der Galle wegen, stellt die Leber die größte endokrine Drüse dar und wegen der Vielfalt an Stoffwechselproduktionen ist sie nobelpreisverdächtig. (siehe €Funktionen der Leber€ im Kasten)

Ab ins Labor€

Die Erkrankungen der Leber füllen Seiten der Lehrbücher. Die beste, natürlich nicht alleinige Diagnosetransparenz liefern die Laborwerte.
Die Leber stellt eine wahre Industrie an Eiweißproduktionen dar und damit auch eine Ansammlung von Enzymen und Aminosäuren. Die ständig im Einsatz befindlichen Transaminasen GOT (=AST) und GPT (=ALT) werden bei Leberzellzerstörung frei und sind Zeichen einer solchen. Die Glutamatdehydrogenase (GLDH), verantwortlich für den Glutaminsäureabbau und Sitz in den Mitochondrien begleitet AST und ALT beim Leberzelltod ins €Freie€.

Albumin ist ein wichtiger Transporter im Blut und für so manche Wasserbindung verantwortlich, so zum Beispiel für das schlecht wasserlösliche Bilirubin, und ist mengenmäßig führend unter den Proteinen. Die Leber produziert davon täglich 12 Gramm. Lässt diese Produktion nach ist dies an der Albuminkonzentration feststellbar.

Schließlich vermindert eine kranke Leber den Abbau von Aminosäuren durch die Bildung von Harnstoff. Der anfallende Stickstoff sammelt sich in giftigem Ammoniak, und die Leber entsorgt diesen durch Umwandlung in Harnstoff. Ammoniak im Blut ist ein Zeichen für Leberversagen.

Am Kohlehydratstoffwechsel beteiligt sich die Leber durch die Glykogenese. Sie speichert Glukose in Form von Glykogen und regelt somit den Blutzuckerspiegel. Im Falle einer Leberzirrhose verliert das Organ die Speicherkapazität, die Folge ist Unterzuckerung.

Aber auch im Fettstoffwechsel hat die Leber ihre Finger mit dabei. Die bekannten Lipoproteine LDL; VLDL etc. und Triglyceride beginnen in der Leber die Reise durch unseren Körper. Zahlreiche Fettsäuren werden verarbeitet oder neu gebildet. Durch Lebererkrankungen kommt es sogar zur Bildung abnormer Lipoproteine, die im Labor Indizien dafür liefern.
Bei den Hormonen ist in der Leber Endstation. Sie inaktiviert Insulin, Glukagon,. Thyroxin, Steroidhormone, Testosteron und Östrogene. Wird diese Aufgabe beeinträchtigt, findet man erhöhte Konzentrationen dieser Stoffwechselprodukte im Blut.

Lebererkrankungen

Verschiedene Hepatitiden, Fettleber, Leberzirrhose, Leberkrebs verursachen diese Stoffwechselveränderungen. Zum Teil sind es Spiegelbilder unseres €schönen Lebens€.
Bei einer Fettleber sind 50% der Leberzellen €verfettet€, diese reversible Anhäufung von Fetten hat unterschiedliche Noxen. Alkoholabusus (FS-Produktion steigt, FS-Oxydation und Abgabe von LP sinkt), Diabetes (Lipolyse steigt, Aufnahme von LP im Fettgewebe sinkt) und Adipositas (BMI>30) durch ihr FS Angebot, werden als solche genannt. Die Hälfte aller Zirrhosefälle findet ihre Ursache im Alkoholabusus. Nur max. 10% des Alkohols werden unverändert ausgeschieden. Aus dem Rest wird das lebertoxische Acetaldehyd und in weiterer Folge Azetat bzw. Azetyl-CoA. Der Zitratzyklus verarbeitet einen Teil, der Rest dient der Fettsäuresynthese und diese führen zur Fettleber€

Therapie und Prävention

Bei eindeutig diagnostizierten Lebererkrankungen sind Therapieschemata obligatorisch. Vom umfangreichen Kräutergarten für Leberfunktionsstörungen ist die Mariendistel hervorzuheben. Der Wirkstoffkomplex Silymarin besticht in seriösen Studien als leberspezifisches Pflanzentherapeutikum. In Modellversuchen mit dem gefährlichsten €Lebergift€ vom grünen Knollenblätterpilz überzeugte Silymarin als schützender und regenerativer Wirkstoff für die Leberzelle. Teezubereitungen und weitaus beliebtere Fertigpräparate aus Mariendistel dienen zuverlässig bei beginnenden Funktionsstörungen.
Als begleitende Maßnahme zu jeder Leber-Gallen-Therapie ist eine richtige Ernährung unerlässlich. Die Leber ist eines jener Organe, die bei Schonung eine hervorragende Selbstheilungskraft entwickeln. Man muss ihr nur die Möglichkeit dazu bieten €

Mehr dazu unter www.gesundeleber.at


Funktionen der Leber:
  • Produziert Gallenflüssigkeit, die in der Gallenblase gespeichert wird. Die Galle fungiert als Emulgator
  • Aufbau aller Eiweißkörper (Proteine), die der Körper benötigt.
  • Wichtigstes Organ beim Fettstoffwechsel (z.B. Cholesterin)
  • Aufbau und Umbau von Hormonen, die ihre Aufgabe bereits erfüllt haben oder im Übermaß erzeugt wurden (z.B. Östrogene)
  • Herstellung lebenswichtiger Faktoren für die Blutgerinnung, andernfalls würden wir verbluten
  • Abbau roter Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese werden im Knochenmark immer neu gebildet
  • Umwandlung von Nahrungs- und Arzneimittelbausteinen, die dann der Organismus verwerten kann
  • Speicherung von Stoffen für Mangelzeiten (z.B. Glucose)
  • Mithilfe bei Umwandlung und Abtransport von Schadstoffen, die den Körper verlassen müssen (z.B. Harnsäure)