Hirn und Darm gehen Arm in Arm


von Mag. Beitl Katharina

Beginnen wir beim Embryo. Aus einem Haufen aus Zellen entsteht ein neuer Mensch. Gerade in dieser Entwicklung entsteht aus einem primitiven Darmrohr der Verdauungskanal mit Anhangsdrüsen wie Leber und Pankreas, der Atmungsapparat, Thymus, Schilddrüse, Harnblase und Mastdarm. Aus einer Mundbucht entwickeln sich die Mundhöhle und der Gaumen, Ober- und Unterkiefer, Lippen, Backen, Zunge, Zähne und Speicheldrüsen. In der fetalen Entwicklung bilden sich das ZNS und das Darmnervensystem. Und eben diese beiden bilden eine Achse, die unter anderem durch den Nervus vagus, einem Hirnnerv, kommunizieren.

Ihre Heimat ist der Darm

Eine der wichtigsten Aufgaben des Verdauungstraktes ist es die Nahrung zu verwerten und damit Energie zu gewinnen. Die 100 Billionen kleinen Helferlein von Darmbakterien besiedeln unseren 8 bis 9 Meter langen Darm und leben in Symbiose mit uns. Neugeborene profitieren von der Keimbesiedelung der Mutter und entwickeln je nach Lebensstil ein Mikrobiom. Dies hat eine große Bedeutung für unsere Gesundheit. Die Darmflora interagiert über immunologische, hormonelle und neuronale Wege mit unserem Körper. Die Verdauungsfunktion und das Immunsystem sind vom Mikrobiom abhängig, der Appetit und Energiehaushalt des Körpers, sogar Entzündungsprozesse und weitere zahlreiche Stoffwechselvorgänge werden mit Hilfe der Bakterien reguliert.

Die Entwicklung des Mikrobioms

Der Embryo bekommt über die Plazenta in den letzten Monaten der Schwangerschaft Bakterien von der in der Mutter siedelnden Bakterien. Ein gutes Mikrobiom der Mutter schafft auch ein solches für ihr Kind. Der Geburtskanal und die Muttermilch sind weitere Quellen. Böse Konkurrenz kommt in der sogenanneten "oralen Phase", wo der Tastsinn des Kindes mit den Lippen erforscht wird. Die dort angesiedleten Bakterien haben aber keine Bleibe im Darm, wenn dieser voll und gut besiedelt ist. Blähungen und Koliken in der ersten Monaten deuten nicht nur auf fehlende Diversivität im Darm hin, sondern lassen auch Mängel in der gesundheitlichen Entwicklung des Kindes erahnen. 
Wir empfehlen der werdenden Mutter schon sechs Wochen vor der Geburt OmniBiotic Panda und für das Baby bis zum ersten Lebensjahr weiterhin OB Panda.
Übrigens: Wehen lösen einen Transport der Darmbakterien in die Milchdrüse aus. Mütter, die ohne Wehen einen Kaiserschnitt (Sectio caesaria) erleben, können dem Baby auch kein Mikrobiom von sich aufbauen, ebenso wie eine Stillabstinenz.
Bauchgefühl-Bild: iStock
Bild: iStock

Bauchgefühl

Geht´s dem Bauch schlecht, mag auch der Kopf nicht und umgekehrt. Aufregung, etwa vor einer Prüfung, zwingt uns oft "sitzend" Zeiten zu verbringen. Allein aus der embryonalen Entwicklung ist erklärbar, dass die Nervenstruktur, also die Denkweise von Hirn und Darm gleich sind. 
Die Wissenschaft entdeckt aber eine dritte Achse, die Darm-Hirn-Leber-Achse. Stille Entzündungen führen nicht nur zu einem Mangel an Tryptophan, dem Ausgangsstoff von Serotonin, sondern zu einer Darmdurchlässigkeit. Stoffe, die unberechtigter Weise in unseren Körper gelangen muss die Leber bewältigen.

Was kann man tun?

In Zusammenarbeit mit einem Labor analysieren wir die Zusammensetzung ihrer Darmbesiedelung. Eine gesamelte Stuhlprobe zuhause und ein von uns, nach ausreichenden Fragestellungen ausgewähltes Suchprofil, gibt Aufschlüsse für eine gezielte Therapie. Egal ob Darmverhalten, Immun- oder Entzündungsstatus oder Darmdurchlässigkeit, eine Stuhlprobe bringt Klarheit.
Probiotika sind gefriergetrocknete Bakterien, die Fehlendes ersetzen. Präbiotika sind Nährstoffe für Bakterien, vor allem für jene, die man nicht ersetzen kann. Sie müssen ausreichend gefüttert werden. So gibt es Bakterien im Dickdarm, die unter Sauerstoff nicht überleben. Sie sind aber wichtig für die Kommunikation im Stoffwechsel, mitunter steuern sie den Hormonhaushalt.
Bitterstoffe (Kräuter), Enzyme (Q10), Mineralstoffe (Zink, Selen), L-Glutamin (zur Schleimhautregeneration), Omega-3-Fettsäuren, Alpha-Liponsäure, Taurin - alles Hilfstoffe für eine gesunde Entwicklung des Mikrobioms. Wir beraten Sie gerne.
Über die Autorin-Bild: Josef Bollwein
Bild: Josef Bollwein

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Mag. Beitl Katharina